60 Jahre Kellertheater

05.01.2014 16:40

KellertheaterWie schnell doch die Zeit vergeht! Immer derselbe Seufzer, wenn das Jahr zu Ende ist. Dabei denken wir diesmal gar nicht nur an 2013, in dem an die 100 Aufführungen über die Bühne gingen, 6 Premieren gefeiert wurden, Sonderveranstaltungen stattfanden und die Hamburger Theaternacht uns durchgehend einen vollen Saal bescherte. Nicht zu vergessen die Teilnahme an der Theaterwoche in Korbach. -

Nein, wir denken ganz weit zurück, bis zum Jahr 1954. Seinerzeit wurde in der DAG (Deutsche Angestellten Gewerkschaft, die heißt heute Ver.di) von sieben DAG-Mitgliedern die Theatergruppe Optimisten gegründet. Der Anfang war bescheiden, es gab Lesungen, Einakter, ein Märchen, geprobt wurde einmal wöchentlich in der DAG-Kantine in der Büschstraße 7.

In dem Einakter "Kälberbrüten" gab Günter K. Dose 1957 sein Bühnendebut. 1959 wurde dann nach einjähriger Probenarbeit mit dem Zerbrochenen Krug das erste abendfüllende Stück gezeigt. Gespielt wurde in der Aula der Emilie-Wüstenfeld- Schule oder in der Schule am Mittelweg.

Leider gibt es für die ersten Jahre nur ganz wenige Unterlagen, das Fotomaterial ist dürftig (die Filme hatten nur 12 Aufnahmen, und die auch nur in schwarz-weiß).

Auch die Mitgliederzahlen sind nicht mehr verfügbar, es ist jedoch überliefert, dass es sich seinerzeit um etwa 10 bis 12 junge und theaterbegeisterte Leute handelte, die dann komplett in den einzelnen Produktionen beschäftigt waren.

Nachdem zunächst überwiegend volkstümliche Komödien ("Die Gouvernante", "Ständchen bei Nacht", "Junger Herr für Jenny" und ähnliches) inszeniert wurden, die manchmal nur einmal auf die Bühne kamen, wagten wir uns bald an anspruchsvolle Stücke - "Biedermann und die Brandstifter" (1963), "Picknick im Felde" (1966), "Sechs Personen suchen einen Autor" (1969) - , die wir auch bei den Hamburger Amateurtheater-Tagen und in Korbach präsentierten und die teilweise zu heftigen Diskussionen führten. Von Anfang an wurde jedes Jahr ein Weihnachtsmärchen einstudiert, das in und um Hamburg in vollen Sälen und Hallen vor tobenden und begeistert mitfiebernden Kindern gespielt wurde.

Seit Beginn der Aufzeichnungen haben wir ca. 235 Stücke inszeniert (manche mehrfach), etwa 5.000 Aufführungen gespielt, darunter besonders langlebig seit 1985 "Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen" und bis heute erfolgreich. Highlights waren Gastspielreisen nach England, Ungarn, Prag und ein Besuch bei Peter Maffey am Tegernsee.

Als Glücksfall erwies sich die Gründung eines DAG-Jugendclubs TANGENTE, wo eine maßgeschneiderte Bühne eingebaut wurde, wodurch wir schon sehr früh über eine eigene Wirkungsstätte als "Optimisten in der Tangente" verfügten. Als der Jugendclub geschlossen wurde, konnten wir die Räume mieten, es wurde mehrfach renoviert und umgebaut - zuletzt 2004 bis 2008 - und 1961 änderten wir unseren Namen in KELLERTHEATER HAMBURG.

Heute gehören zu uns etwa 100 Mitglieder - davon etwa die Hälfte aktiv - unser Repertoire umfasst 15 bis 17 Stücke und 8 bis 10 Regisseure arbeiten ständig an mehreren neuen Inszenierungen.

Also: 2014 ist für uns ein ganz besonderes Jahr, wir feiern den 60. Geburtstag mit einem Fest, das am 28. Februar beginnt und am 1. und 2. März sowie am 7., 8. und 9. März fortgesetzt wird. Darauf freuen wir uns!

Und nachdem wir uns von einigen Stücken verabschiedet haben (Urlaubsbekanntschaften, Mörderkarussell, Zurück zum Happy End), erblicken im 1. Halbjahr 2014 zwei neue Inszenierungen das Licht der Bühne: "bash - stücke der letzten tage" von Neil LaBute am 2. März 2014 "Hystericon" von Ingrid Lausund im April 2014.

Weitere Stücke sind in Arbeit. Mit 60 Jahren ist also noch lange nicht Schluss......

Heidrun Walsh

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